Werkstoff Acrylglas

Das erste, was einem zu Acrylglas in Verbindung mit Kunst einfällt, ist möglicherweise ein Bilderrahmen von Ikea. Und wer hat nicht schonmal versucht, die Plexiglasscheibe zu putzen und sich dabei Kratzer für die Ewigkeit hineinpoliert.

Steckbrief Acrylglas

Der Wikipedia-Artikel über Acryglas nennt viele positive Eigenschaften dieses Materials. Es ist im warmen Zustand beliebig verformbar, abgekühlt stoßfest, in Maßen flexibel und vergilbt nicht. Leider verkratzt es leicht.

Der richtige Name “Polymethylmetacrylat”, abgekürzt PMMA, ist für den Alltagsgebrauch zu schwierig, man sagt Plexiglas. Entwickelt und unter diesem Namen patentieren lassen hat es Otto Röhm, seit 1933 ist es auf dem Markt. Heute hat die Rechte am Material die Firma Evonik – jetzt weiß ich auch endlich, was der BVB da auf dem Trikot stehen hat.

Seit es existiert, hat das Plexiglas Designer inspiriert, und es gehört zu unserem Alltag, ob als Haube über dem Plattenspieler, dem Eierkocher oder dem Autoscheinwerfer. Sogar bei Wikipedia wird es als Werkstoff und Trägermaterial in der Bildenden Kunst erwähnt. Da finde ich es fast schon merkwürdig, dass ich so lange gebraucht habe, um dieses Material für mich zu entdecken.

Farbe auf das Plexiglas drucken?

Da die Gouache-Farben für meine Siebdrucke deckend oder transparent angerührt werden können, habe ich schon immer mit Farbschichten gearbeitet, die sich überlagern. Als ich einige alte Glasscheiben bedruckte, merkte ich, dass die Farbe auf dem Glas “steht” und ganz winzige Nasen zieht, so dass sie eine unverwechselbar strukturierte Oberfläche bekommt. Außerdem muss man auf dem Glas sozusagen von vorne nach hinten drucken (wie bei Glasmalerei) und der vordere Druck wird recht dominierend. Das alles ist natürlich aus der Rückschau gesehen und mir beim Arbeiten und Probieren klar geworden.

Plexiglas ist viel leichter als Glas und lässt sich in jede beliebige Form bringen. Am Anfang meiner intensiven Beziehung zum Plexiglas stand eine Idee: Ich wollte die verschiedenen Schichten einer Persönlichkeit und ihre Zusammengehörigkeit zu einem Bild darstellen. Heraus kam “Die Facetten der Victoria Woodhull”, ein Objekt, das ich 2010 für die Ausstellung “Moneta – Geld in Frauenhand” des Frauenmuseums in Bonn anfertigte.

Was man auf diesem Foto nicht so sieht: es sind acht bedruckte Platten hintereinander gestaffelt. Bedruckt man mehrere Scheiben, so kann man die Motive und Farben übereinanderlegen, sie können sich ergänzen. Je nach Beleuchtung erscheinen Motive silhouettenhaft (von hinten beleuchtet) oder sie werfen Schatten (von vorne beleuchtet).

Und wie kommt man an sowas?

Die Halterung und alle Gehäuse für meine Wegmarken stellt die Firma BSF-Kunststoffe in Bielefeld her. Immer, wenn ich denke, ich hätte mich jetzt mit meinen windschiefen Zeichnungen und Sonderwünschen endgültig unmöglich gemacht, kommt eine besonders freundliche Antwort samt einem perfekten Werkstück. Reine Glückssache, dass ich BSF im Internet gefunden habe, ich hatte ja kei-ne Ah-nung, als ich meine Liebe zum Plexiglas entdeckte. Die wuchs dann noch bei der Arbeit an meiner Installation “Sitz gerade, mein Junge”.

Für die Wegmarken ist Plexiglas ideal. Ich kann Gehäuse in jeder beliebigen Größe bekommen, die sich nach Motiven und Erinnerungsstücken richtet. Die Platten kann ich herausnehmen, bedrucken und bekleben, wie Sie auf der Seite “Von der Idee zum Werk” sehen können. Es ist sozusagen die perfekte Verpackung für meine Ideen.

 

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